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MARIENHAUS
Echo
3/2015
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Seit März ist Dr. Heinz-Jürgen Scheid nun
Geschäftsführer der Marienhaus Holding
GmbH. In diesen Wochen und Monaten
besucht er zusammen mit Schwester M.
Basina Kloos die Einrichtungen der Trä-
gerschaft, um die Häuser und vor allem
diejenigen kennenzulernen, die dort Ver-
antwortung tragen. – Welche Eindrücke
er dort gewonnen hat, darüber haben wir
uns mit ihm unterhalten.
Sie haben mittlerweile zahlreiche Einrich-
tungen besucht. Was hat Sie am meisten
beeindruckt?
Scheid:
Was mir besonders positiv auf-
gefallen ist, das ist die Offenheit und die
Herzlichkeit, mit der mich die Mitarbei-
terinnen und Mitarbeiter willkommen
heißen. Das freut mich sehr; aber es zeigt
vor allem auch, wie sehr sich die Men-
schen in unseren Einrichtungen mit ih-
rem Träger verbunden fühlen.
Ist das auch eine zentrale Stärke unseres
Unternehmens?
Scheid:
Ganz genau. Unsere Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeiter machen die Stär-
ke unseres Unternehmens aus. Sie sind
engagiert, haben klare Vorstellungen, wie
sie ihre Einrichtung weiter entwickeln
wollen, und sagen uns deshalb auch deut-
lich, wo sie der Schuh drückt, was wir ver-
bessern müssen und wo sie Unterstüt-
zung durch den Träger erwarten.
Dann haben Sie also bei diesen Besuchen
nicht nur Nettigkeiten ausgetauscht?
Scheid:
Natürlich nicht. Das hatten wir
aber auch im Vorfeld so kommuniziert.
Ich möchte bei diesen Besuchen einen
ungeschminkten Eindruck gewinnen. Ich
möchte hören, was gut läuft, und eben-
so erfahren, was den Verantwortlichen
Sorgen bereitet.
Gibt es Themen oder Probleme, die sich
wie ein roter Faden durch die gesamte
Trägerschaft ziehen?
Scheid:
Bisher haben wir überwiegend
Krankenhäuser besucht; deshalb will ich
das auch schwerpunktmäßig auf den Kli-
nikbereich beziehen. Ja, es gibt Themen,
die alle gleichermaßen umtreiben. Viele
Häuser haben sich strategisch gut aufge-
stellt und haben dank gezielter Speziali-
sierung steigende Patientenzahlen. Viele
kleine Häuser im ländlichen Raum dage-
gen kämpfen schlicht ums Überleben.
Unsere Einrichtungen haben einen gro-
ßen Investitionsstau. Und weil die Förder-
mittel immer geringer ausfallen, müssen
wir die entsprechenden Baumaßnahmen
zunehmend aus Eigenmitteln finanzie-
ren. Deshalb ist es umso wichtiger, dass
wir die wirtschaftliche Konsolidierung
der gesamten Unternehmensgruppe zü-
gig vorantreiben.
Und dann kommen eine Vielzahl von
hausspezifischen Themen hinzu?
Scheid:
Das stimmt. Und oft haben die-
se Themen dann auch schon eine lange
Geschichte. Aber auch die müssen wir
sukzessive lösen.
Können Sie schon ein erstes Resümee Ih-
rer Besuche ziehen?
Scheid:
So groß unsere Trägerschaft ist,
so vielfältig, bunt und spannend ist sie
auch. Und sie ist es bei allen Schwierig-
keiten und Problemen wert, dass wir all
unsere Kraft darauf verwenden, sie wei-
ter zu entwickeln und in eine gute Zu-
kunft zu führen. Diesen Erfolg können
wir nur gemeinsam erzielen. Und des-
wegen müssen wir auch das Wir-Gefühl
stärken; denn das hat unseren Träger
stark gemacht, und stark soll der Träger
auch in Zukunft bleiben.
„Ich möchte einen
ungeschminkten Eindruck gewinnen“
und den heutigen Anforderungen nicht
mehr gerecht werden.
Aber es gibt noch weitere Probleme, die
Direktorium, Mitarbeiter und Chefärzte
Schwester M. Basina und Heinz-Jürgen
Scheid mit Nachdruck vortragen. Von
den Überlegungen und Plänen, in St.
Wendel ein zentrales Labor einzurichten,
das die Marienhausklinik mit versorgt,
hält in Ottweiler niemand etwas. Gera-
de die Spezialisierung, die das Haus ja
wieder in die Erfolgsspur zurückgeführt
hat, verbiete einen solchen Schritt, argu-
mentieren die Ottweiler unisono. Dieses
Projekt, zitieren wir stellvertretend Hen-
ning Fries, „ist uns ein Dorn im Auge“.
Auch die Zusammenarbeit mit dem trä-
gereigenen Dienstleistungsbereich sieht
man in Ottweiler kritisch. (Dass man da-
mit nicht gerade glücklich ist, das hören
Schwester M. Basina und Dr. Scheid übri-
gens vielerorts). Dass es beispielsweise
sinnvoll sein kann, die im Unternehmen
vorhandenen Kompetenzen in Sachen
EDV und IT zu bündeln, um eine träger-
weite IT-Strategie und verbindliche Stan-
dards zu entwickeln, will niemand in Ab-
rede stellen. Aber in der Umsetzung
hapert es doch noch sehr. Wobei, und da
bricht Oberin Christel Müller für die IT-
Mitarbeiter eine Lanze, diese sehr flexi-
bel seien und nach wie vor versuchten,
vieles auch Unmögliche möglich zu ma-
chen. – Schwester M. Basina und Dr.
Scheid hören hier besonders aufmerk-
sam zu. Schließlich stellt sich am Ende
des Tages die Frage, ob der eingeschlage-
ne Weg immer der richtige ist oder ob es
reicht, an ein paar Stellschrauben zu dre-
hen, damit in der noch jungen GmbH der
Servicegedanke (der Name ist ja eigent-
lich Programm) stärker zum Tragen
kommt. Ziel ist es ja, dass die Einrichtun-
gen einen Dienstleister an ihrer Seite ha-
ben, der ihnen weiterhilft, von dem sie
profitieren können.
Trotz dieser auch kritischen Anmerkun-
gen ist der Besuch in Ottweiler für
Schwester M. Basina und Dr. Scheid eher
einer von der entspannten und harmoni-
schen Sorte. Mancherorts in der Träger-
schaft ist die Gemengelage deutlich
schwieriger, sind die Probleme gravie-
render und die Sorgen größer als in Ott-
weiler. – All das erfährt Dr. Heinz-Jürgen
Scheid bei seiner Reise durch die Träger-
schaft, auf der er sich ein persönliches
Bild machen und die handelnden Perso-
nen vor Ort kennenlernen will.
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