Echo 2015-04 - page 3

MARIENHAUS
Echo
4/2015
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selbst im Mittelpunkt zu stehen, das ist
ja eigentlich gar nicht ihr Ding. Und so
bedurfte es wohl auch einiger Überre-
dungskunst, sie zu einem Abschied in
großem Rahmen zu bewegen. Sie steht
halt auf dem Standpunkt, sie habe all die
Jahre nur ihre Pflicht getan. Trotzdem:
Anfang Oktober wurde Schwester M. Ba-
sina Kloos, die die Geschicke Waldbreit-
bachs über Jahrzehnte hinweg weitsich-
tig und erfolgreich gelenkt hat, mit
einem Festakt in der ehemaligen Reichs-
abtei St. Maximin in Trier feierlich verab-
schiedet. In seiner Laudatio nannte Prof.
Dr. Paul Kirchhof sie eine herausragende
Persönlichkeit. Sie sei durch und durch
von dieser Welt, besitze die Tugend des
Augenmaßes und habe die christliche
Gemeinschaft der Marienhäuser ge-
schaffen. Dabei, so der ehemalige Bun-
desverfassungsrichter, sei sie eine from-
me, bescheidene und tatkräftige Frau.
– Um dieser persönlichen Bescheiden-
heit (ein Punkt, der sie so sympathisch
macht) gerecht zu werden, blicken wir
auf der folgenden Doppelseite im Ge-
spräch mit Schwester M. Basina auf die
Jahrzehnte zurück, in denen sie das Un-
ternehmen maßgeblich geprägt hat. Das
tut sie nachdenklich und durchaus auch
selbstkritisch, aber es waren (so will man
aus eigenem Erleben anfügen) manch-
mal auch sehr turbulente Jahre. Und bei
allem, was vielleicht (noch) nicht ganz so
gut und rund läuft, so ist Schwester M.
Basina doch fest überzeugt, dass sie be-
ruhigt gehen kann; denn die Träger-
schaft weiß sie in guten Händen. Und so
fällt ihr das Loslassen (wie sie selber
sagt) auch nicht mehr gar so schwer. Sie
geht dabei in der festen Überzeugung,
„dass Gott den Weg mit gegangen ist“.
So haben wir deshalb auch den Beitrag
überschrieben.
Krieg und Vertreibung machen derzeit
weltweit Millionen Menschen zu Flücht-
lingen. Die Nachrichten sind voll von Bil-
dern, die aufrütteln und zeigen, welche
Entbehrungen und Risiken diese Men-
schen auf sich nehmen, um zu uns zu
gelangen. Wie viele von ihnen in diesem
Jahr nach Deutschland kommen werden,
lässt sich derzeit kaum seriös beziffern.
Eines aber ist klar: Diejenigen, die ihre
Heimat verlassen haben, weil sie um Leib
und Leben fürchten mussten, und jetzt
als Schutzsuchende nach Deutschland
kommen, verdienen unsere Solidarität
und Unterstützung. Die Aufnahme und
Integration von Flüchtlingen ist eine ge-
samtgesellschaftliche Aufgabe, wird uns
allen eine Menge abverlangen und unse-
re Gesellschaft nachhaltig verändern.
Die Marienhaus Unternehmensgruppe
ist bereit, dazu ihren Beitrag zu leisten.
Und es gibt an vielen Orten in der Träger-
schaft bereits mannigfaltige Initiativen,
um Flüchtlingen zu zeigen, dass sie will-
kommen und eine Bereicherung für un-
sere Gesellschaft sind.
Das Krankenhaus Hetzelstift in Neustadt
an der Weinstraße beispielsweise tut
dies schon seit dem vergangenen Jahr
und stellt 1-Euro-Jobs für Asylbewerber
zur Verfügung. Das hat sich bewährt;
denn diese Jobs helfen tatsächlich bei
der Integration. Die Asylbewerber lernen
schneller Deutsch, ihr Tag ist strukturiert
und sie erfahren auf dieseWeise, wie das
Leben und Arbeiten in Deutschland
funktioniert. – Wir haben uns in Neu-
stadt umgeschaut und gesehen, wie In-
tegration gelingen kann, und berichten
darüber auf den Seiten 16 und 17. Und
natürlich werden wir auch bei diesem
Thema am Ball bleiben.
Besondere Förderung und Unterstüt-
zung benötigen auch junge Menschen
mit einer Lernbehinderung. Sie scheitern
in ihrer Ausbildung oftmals daran, dass
der schulische Teil einfach zu schwer für
sie ist. Sollen sie deshalb auf dem Ar-
beitsmarkt keine Chance haben? Nein,
sagten sich der Kölner Sozialpfarrer
Franz Meurer und der bekannte Psychia-
ter Dr. Manfred Lütz und gaben den An-
stoß für einen neuen Ausbildungsgang.
Junge Leute mit gut ausgeprägten sozia-
len Fähigkeiten haben hier die Möglich-
keit, eine zweijährige Ausbildung zum
Fachpraktiker in sozialen Einrichtungen
zu machen. IN VIA Köln, die IHK Köln und
katholische Träger aus der Region haben
dieses Projekt auf den Weg gebracht, die
Bundesanstalt für Arbeit und der Land-
schaftsverband Rheinland unterstützen
es. Die Marienhaus Unternehmensgrup-
pe ist mit von der Partie, im Seniorenzen-
trum St. Josefshaus in Köln und im St.
Elisabeth Seniorenzentrum in Alfter-Oe-
dekoven haben die ersten beiden jungen
Frauen mit ihrer Ausbildung begonnen.
– Wir haben unseren Beitrag auf Seite 6
mit
Die Perspektive, auf dem ersten Ar-
beitsmarkt Fuß zu fassen
überschrieben.
Er war Bundesminister und SPD-Partei-
vorsitzender. Heute hat sich Franz
Müntefering einer neuen Mission ver-
schrieben. Seitdem er seiner Mutter und
seiner krebskranken Frau „Hilfe beim
Sterben“, wie er es nennt, geleistet hat,
ist er ein großer Fürsprecher der Hospiz-
bewegung. Bei der Diskussionsveranstal-
tung, zu der die Waldbreitbacher Hospiz-
Stiftung Ende August in das Foyer des
Marienhaus Klinikums St. Elisabeth in
Neuwied eingeladen hatte, machte der
75-Jährige deutlich, warum er ärztliche
Beihilfe zum Suizid oder gar organisierte
Sterbehilfe entschieden ablehnt, und
forderte konsequenterweise den geziel-
ten und flächendeckenden Ausbau der
Hospiz- und Palliativversorgung. – Unse-
ren Beitrag über diese Veranstaltung fin-
den Sie auf Seite 10.
In den letzten zweieinhalb Jahren hat die
Reha-Klinik Schwertbad in Aachen die
Trägerschaft ganz schön in Atem gehal-
ten und auch regelmäßig in die Schlag-
zeilen gebracht. Anfang Oktober nun hat
die Inoges AG die Einrichtung übernom-
men. Was lange währt, wird endlich gut,
möchte man in Anlehnung an das alte
Sprichwort sagen. – Auf Seite 12 finden
Sie diese Nachricht quasi als unsere letz-
te Meldung.
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen wie
immer viel Spaß bei der Lektüre.
Ihr
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