Echo 2015-04 - page 4

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Waldbreitbach.
Ob man es glaubt oder
nicht: Sie wirkt tatsächlich entspannt, als
wir uns Ende Juli treffen, um einmal in
aller Ruhe über ihr Leben in Diensten
Waldbreitbachs zu sprechen. Kein Mobil-
telefon, das sie stören, kein Tablet, das sie
ablenken könnte. Und sie sagt selbst,
dass sie froh sei, dass „die Verantwor-
tung nicht mehr auf meinen Schultern
lastet“. Für Schwester M. Basina Kloos
hat nach Jahrzehnten, in denen sie für die
Gemeinschaft der Waldbreitbacher Fran-
ziskanerinnen und die Einrichtungen, die
heute in der Marienhaus Unternehmens-
gruppe organisiert sind, Verantwortung
getragen hat, ein neuer Lebensabschnitt
begonnen. Ihn zu gestalten, das wird sie
noch lernen müssen; aber auch die Men-
schen, mit denen sie regelmäßig zu tun
hatte, müssen sich umgewöhnen, sagt
sie mit einem verschmitzten Lächeln.
Dass sie Probleme mit dem Loslassen ha-
ben könnte (was der eine oder die andere
in der Trägerschaft durchaus annimmt),
das lässt Schwester M. Basina nicht gel-
ten. Schließlich sei ihr das 2012 bereits
einmal gelungen, als sie nach zwölf Jah-
ren als Generaloberin nicht mehr für die
Ordensleitung kandidieren wollte.
Zwei Projekte hat sie sich gleichwohl für
die nächste Zeit noch vorbehalten. Da ist
zum einen die Integration der cusanus
trägergesellschaft trier in die Marien-
haus Stiftung und da sind zum anderen
die Hochschul-Aktivitäten des Trägers,
sprich der ambitionierte Versuch, neue
Wege in der Ausbildung der Mediziner zu
gehen. Beides, so meint sie, sei mit ei-
nem zeitlich vertretbaren Aufwand zu
leisten.
Enttäuscht über ihren Ordensnamen
Dass sie einmal Karriere machen würde,
daran hat sie keinen Gedanken ver-
schwendet, als sie 1957 mit gerade ein-
mal 17 Jahren in die Gemeinschaft der
Waldbreitbacher Franziskanerinnen ein-
trat. Dorothea Kloos, wie sie mit bürger-
lichem Namen heißt, war vielmehr ent-
täuscht über ihren Ordensnamen. Den
haben ihr ihre Oberen womöglich mit
Bedacht gegeben, schließlich hieß eine
der Schwestern, die 1903 den Gesell-
schaftsvertrag der Marienhaus GmbH
unterzeichneten, Basina.
Früh in die Verantwortung genommen
Weil sie vor ihrem Eintritt schon eine
Ausbildung zur Industriekauffrau abge-
schlossen hatte und direkt nach dem
Noviziat die obligatorische Krankenpfle-
geausbildung absolvierte, wurde sie
früh in die Verantwortung genommen:
Mit 23 Jahren übernahm sie die Verwal-
tungsleitung imWaderner Krankenhaus
(eigentlich „waren wir da Mädchen für
alles“, sagt sie rückblickend) und baute
dort die Krankenpflegeschule auf. Nach
sieben Jahren wurde sie nach Wald-
breitbach gerufen, leitete in Bendorf die
Krankenpflegeschule (in den Räumen
der ehemaligen Schule hatte sie in den
letzten Jahren ihr Büro), wurde General-
sekretärin der Gemeinschaft und 1973
zur Geschäftsführerin der Marienhaus
GmbH berufen. Zusammen mit Gün-
ther Zimmermann leitete sie den Ge-
schäftsbereich Rheinland-Pfalz. – Das
war damals die Zeit, als zunehmend
weltliche Mitarbeiter auch Führungspo-
sitionen übernahmen und in den Ein-
richtungen ein erster Paradigmenwech-
sel stattfand; denn „unsere Oberinnen
mussten lernen, Macht abzugeben“, er-
innert sich Schwester M. Basina.
Natürlich sei auch damals schon die Ar-
beitsbelastung hoch gewesen – GmbH-
Geschäftsführerin und Mitglied der Or-
densleitung zu sein, das sind eigentlich
zwei Full-Time-Jobs. Aber die Zeit sei
noch nicht so hektisch und es sei mehr
Zeit für Kontakte mit den Menschen ge-
wesen, sagt sie. (Wobei es, das sei in
Klammern angefügt, in der Trägerschaft
keinen Menschen gibt, der so gut ver-
netzt ist wie Schwester M. Basina).
Aus der Verantwortung
für die Einrichtungen lösen
In den 80er Jahren des vergangenen Jahr-
hunderts warfen jüngere Schwestern die
Frage auf, ob die Gemeinschaft weiterhin
Träger ihrer Einrichtungen bleiben solle.
Daraus resultierte zum einen der Be-
schluss des Generalkapitels 1988, die Or-
densleitung möge nach Wegen suchen,
Jahrzehntelang hat sie das Unternehmen geprägt, jetzt hat sich Schwester M. Basina Kloos
aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen – eine Begegnung
Sie geht in der festen Überzeugung,
„dass Gott denWeg mit gegangen ist“
Sie war zeit ihres Lebens auch eine Persönlichkeit, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit und
der Medien stand.
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