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MARIENHAUS
Echo
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dass man sich aus der Verantwortung für
die Einrichtungen lösen könne. Was dann
1993 in die (nennenwir es bildhaft) Hoch-
zeit mit den Dernbacher Schwestern und
die Gründung der St. Elisabeth-Stiftung
mündete. Zum anderen wurde parallel in
der Marienhaus GmbH der Prozess der
Organisationsentwicklung ins Leben ge-
rufen. Ziel war es, die Leitungsteams in
den Einrichtungen „zu befähigen, Theolo-
gie und Management zu vereinbaren“.
Dass dieser Prozess zumindest in einer
Reihe von Einrichtungen „nachhaltig ge-
fruchtet“ hat, das freut Schwester M. Ba-
sina heute noch.
Leitbild als
Waldbreitbacher Grundgesetz
Die Ehe mit den Dernbacher Schwestern
und damit die gemeinsame Trägerschaft
unter dem Dach der St. Elisabeth-Stif-
tung hielt nur gut acht Jahre. „Rückbli-
ckend bedaure ich, dass wir nicht dialog-
fähig genug waren“, räumt Schwester M.
Basina ein. Und gibt auch selbstkritisch
zu, „dass wir in den 1990er Jahren bei
der Personalauswahl nicht immer eine
glückliche Hand hatten“. Gleichwohl
„haben wir viel aus diesem Prozess ge-
lernt“, sagt sie. Zum Beispiel, dass Über-
nahmen oder Fusionen für beide Seiten
erkennbar eine Win-win-Situation sein
müssten. – Die größte gemeinsame Leis-
tung aus dieser Zeit, das müssen wir hier
einmal in aller Deutlichkeit sagen, ist üb-
rigens das Leitbild, das kurz und an-
schaulich auf den Punkt bringt, wofür
der Träger steht. Viele nennen es deshalb
auch das Waldbreitbacher Grundgesetz.
„Wieder auf uns selbst besonnen“
Auf das Kapitel Dernbach folgten einige
Jahre ruhigen und produktiven Arbei-
tens; eine Zeit, „in der wir uns auch wie-
der auf uns selbst besonnen haben“.
Was nicht zuletzt dadurch erleichtert
wurde, dass die Marienhaus GmbH 2003
ihr 100-jähriges Bestehen feiern konnte
und dieses Jubiläum den idealen Rah-
men bot, um das Wir-Gefühl in der Trä-
gerschaft zu stärken und die Reihen wie-
der fester zu schließen. Am Ende dieser
Etappe stand die Gründung der Marien-
haus Stiftung im Herbst 2011, die es den
Waldbreitbacher Franziskanerinnen er-
laubte, sich aus der Letztverantwortung
für ihre Einrichtungen zurückzuziehen. –
Ein Weg, den zwischenzeitlich andere
Gemeinschaften ebenso eingeschlagen
haben, wie Schwester M. Basina aus-
drücklich betont.
In manchen Entscheidungen
noch zu schwerfällig
Wenn sie nach über 50 Jahren zurück-
schaut, was bleibt dann als Resümee?
Zunächst einmal die wenig überra-
schende Feststellung, dass „wir zu allen
Zeiten Fehlern gemacht haben“. Wobei
Schwester M. Basina beispielsweise die
Übernahme der Krankenhäuser in Bit-
burg, in Neustadt oder in St. Goar-Ober-
wesel ausdrücklich „gute Entscheidun-
gen“ nennt. (Über die Entscheidungen,
die weniger glücklich waren, breiten wir
an dieser Stelle ausnahmsweise den
Mantel christlicher Nächstenliebe). Und
Schwester M. Basina merkt auch durch-
aus selbstkritisch an, dass „wir in man-
chen Entscheidungen, die beispielswei-
se eine ganze Region betreffen, noch zu
schwerfällig sind“.
Einrichtungen als Lernorte des Glaubens
Mindestens ebenso wichtig ist ihr aller-
dings der Hinweis, dass „das Evangelium
das Fundament unseres Handelns ist“.
Das dürfe nicht in Vergessenheit geraten.
Vielmehr müssten sich die Einrichtungen
als Lernorte des Glaubens verstehen und
ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
mit dem Evangelium bekannt machen
und sie auf das Evangelium verpflichten.
Dazu gehört ihrer Meinung nach auch,
sich der Gründer als Vorbilder zu erin-
nern. Denn auch heute noch könne Mut-
ter Rosa, die Gründerin der Waldbreitba-
cher Franziskanerinnen, ein Vorbild in
Sachen Gottvertrauen und Risikobereit-
schaft und darin sein, wie sich Spirituali-
tät und unternehmerischer Geist verbin-
den können.
Die Trägerschaft in guten Händen
Sie selbst, so sagt sie, könne beruhigt ge-
hen. Die Trägerschaft weiß sie in guten
Händen, in ihren Nachfolger Dr. Heinz-
Jürgen Scheid (und natürlich in den gan-
zen Stiftungsvorstand) hat sie volles Ver-
trauen und ist sich sicher, dass er „die
Aufgaben verantwortungsvoll angehen
und die Menschen mitnehmen wird“.
Und sie wünscht ihm Mitstreiter, die be-
reit sind, Verantwortung zu überneh-
men und (wie bisher auch) das Unter-
nehmen zu ihrem eigenen machen.
Das Loslassen fällt ihr wahrscheinlich
auch womöglich deshalb nicht mehr gar
so schwer, weil sie (im Februar ist sie im-
merhin 75 Jahre alt geworden) ein wenig
gelassener geworden ist und allmählich
auch die Grenzen erkennt und akzep-
tiert, die ihr die Gesundheit nach so vie-
len arbeitsreichen Jahren nun einmal
setzt. Und sie geht in der festen Über-
zeugung, „dass Gott den Weg mit ge-
gangen ist“.
Schwester M. Basina Kloos, so wie sie die Menschen in der Trägerschaft kennen und
schätzen.
Fotos: hf
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